Die sogenannte Schwabacher Schrift gehört zu den gebrochenen Schriften und stammt aus dem 15. Jahrhundert. Sie war zumindest bis in das 16. Jahrhundert die übliche Schrift im deutschsprachigen Raum, verlor jedoch danach an Bedeutung obwohl sie noch bis ins 20. Jahrhundert bekannt war und auch genutzt wurde. Abgelöst wurde die Schwabacher Schrift von der Frakturschrift.

Geschichte


Der Ursprung der Schwabacher Schrift ist nicht klar nachzuvollziehen. Obwohl der Name der Schrift oft entweder auf den Ursprungsort oder den Erfinder der Schrift verweist, lässt sich in diesem Fall weder eine Druckerei in Schwabach noch ein Schriftgelehrter bzw. Schriftschneider mit diesem Namen bekannt. Allerdings lässt sich zumindest die Namenstheorie nicht ganz ausschließen, da viele Zeugnisse aus dem 15. Jahrhundert verloren gegangen sind oder zerstört wurden.

Sicher ist nur das sie in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts in Franken zuerst auftaucht. Eine Theorie besagt, dass die Schwabacher Schrift ihren Namen durch den Schwabacher Artikel, eines der frühen Dokumente zur Vereinigung der protestantischen Reformationsbewegungen in Deutschland, erhalten hat. Dieser wurde auf dem Konvent zu Schwabach gegen Ende des 15. Jahrhunderts formuliert und war später Teil der protestantischen Confessio Augustana. Dieser Artikel ist nämlich in dieser Schrift verfasst worden. Dies erklärt aber allenfalls den Namen aber nicht die Genese der Schrift.

In gedruckter Form wurde die Schwabacher Schrift erstmals 1472 von Johannes Bäumler benutzt. Etwas später war sie die Drucktype der Wahl beim Druck der Apokalypse von Dürer und der Schedelschen Weltchronik. Auch im Bibeldruck und protestantischen Dokumenten war die Drucktype neben der klassischen Textura sehr beliebt und fand dadurch eine recht große Verbreitung.

Auch wenn sie ab dem 16. Jahrhundert mehr und mehr durch Fraktur ersetzt wurde, verschwand die Schwabacher Schrift jedoch nicht völlig und wurde als Auszeichnungsschrift im Druck sowie auch bei Handschriften weiterhin genutzt. Die Bezeichnung „schwabachern“, als Unterstreichungen in einem handschriftlichen Text, stammt aus diesem Kontext.

Nach dem ersten Weltkrieg wurde die Schwabacher Schrift als eine der Grundlagen für die Neue Frakturschrift genutzt. Die sogenannte „deutsche Schrift“ zeigt einige Verwandtschaften mit der Alten Schwabacher in der Variante des 18. Jahrhunderts.

Wie einige andere gebrochene Schriften (und auch die Sütterlinschrift) wurde auch die Schwabacher Schrift durch den Bormann-Erlass von 1941 verboten.

Typografie

Schwabacher Schrift im Vergleich
Obwohl die Schwabacher Schrift zu Recht als gebrochene Schrift bezeichnet wird, weißt sie im Vergleich zu anderen Schriften dieser Gattung deutlich mehr Rundungen auf. Daher wird sie oft als derber, offener und breiter angesehen. Dies wird besonders beim beidseitig runden o deutlich, welches beispielsweise bei der Fraktur auch noch eckige Elemente aufweißt. Auch das kleine g sowie das große H stellen Besonderheiten der Schwabacher Schrift dar.

Literatur

Philipp Luidl: Die Schwabacher – Die ungewöhnlichen Wege der Schwabacher Judenletter. Maro Verlag, Augsburg 2004.