Die Frakturschrft ist eine Schriftart aus der Familie der gebrochenen Schriften (daher auch der Name: fractus lat. = gebrochen). Über 400 Jahre war sie im deutschsprachigen Raum die meistgenutzte Druckschrift. Sie wurde also nicht geschrieben, sondern vor allem in gedruckten Dokumenten verwendet.

Ein häufiger Irrtum ist übrigens, dass der Begriff Frakturschrift synonym für alle gebrochenen Schriften verwendet wird. Zwar ist sie eine gebrochene Schrift, lässt sich aber im direkten Vergleich mit anderen gebrochenen Schriften, wie der Schwabacher Schrift, leicht unterscheiden.

Die Herkunft der Frakturschrift


Sie wurde erstmals 1513 in einem Gebetbuch des Druckers Hans Schönberger verwendet. Zudem findet man sie im sogenannten Theuerdank aus dem Jahr 1517. Der Theuerdank ist ein sehr aufwendig gestaltetes Buch aus den Anfängen des Buchdrucks und beinhaltet Geschichten aus dem Leben Kaiser Maximilians I. Ihre heutige Form erhielt die Frakturschrift jedoch erst im 18. Jahrhundert durch die Schriftsetzer G.I. Breitkopf und J.F. Unger.

Die genaue Herkunft bzw. der Erfinder der Frakturschrift, oder besser gesagt der Frakturtype, lässt sich heute nicht mehr einwandfrei klären. Das liegt unter anderem daran, das ähnliche Handschriften auch in Nürnberg und Wien belegbar sind, d.h. die Frakturschrift (ob als Handschrift oder Druckschrift) taucht nahezu gleichzeitig an mehreren Orten im deutschsprachigen Raum auf.

Sicher ist jedoch, dass die Entwicklung der Schrift einiges mit Kaiser Maximilian I. zu tun hat. Eine Theorie besagt, dass die Schrift von Vinzenz Rockner (dem Sekretär des Kaisers) erfunden wurde, indem er die zu verwenden Drucklettern handschriftlich entworfen hat. Eine andere Version besagt, dass der Mönch Leonhard Wagner bereits am Ende des 15. Jahrhunderts eine sehr vergleichbare Schriftart entwickelt hat. Inwiefern diese jedoch jemals die Mauer seines Klosters verlassen hat (und damit anderen Druckern bekannt war) ist unklar.

Revival im Nationalsozialismus


Zu Beginn des 20. Jahrhunderts verlor die Frakturschrift zunächst, insbesondere nach dem 1. Weltkrieg an Bedeutung und wurde durch die Antiqua ersetzt. Allerdings erlebte sie in der Zeit des Nationalsozialismus als Text- und Auszeichnungsschrift eine kurzzeitige zweite blühte, da sie als „deutsche Schrift“ betrachtet wurde. Hiermit war sie gegenüber der Sütterlinschrift, als angeblich jüdische Schrift, zu bevorzugen.

Ab Juni 1933 sollte die Frakturschrift Standard für alle Schreibmaschinen in den Behörden des deutschen Reichs werden. Dies scheiterte jedoch zum einen an der Festsetzung von verbindlichen Schriftzeichen und an fehlendem Interesse Hitlers. Das erstarken der Frakturschrift fand jedoch 1941 ein jähes Ende, als die Frakturschrift durch den Bormann-Erlass zusammen mit der Sütterlinschrift verboten wurde und durch die Antiqua ersetzt.

Die Frakturschrift nach 1945


Nach 1945 wurde die Frakturschrift nur noch sporadisch verwendet, obwohl sich 1951 der Bun für deutsche Schrift neugründete, der sich unter anderem für den Verwendung der Frakturschrift einsetzte. In manchen Bücher wurde die Schrift als Druckschrift jedoch weiterhin verwendet, so in den Werken Hermann Hesses oder in einer Theodor-Storm-Gesamtausgabe von 1953. Auch einige Zeitungen (so die Frankfurter Allgemeine Zeitung und die Neue Zürcher Zeitung) und insbesondere die evangelische Kirche benutzten die Fraktur noch bis in die 1960er Jahre zum Beispiel für Bibeln.

Kurioserweise wird die Frakturschrift, trotz des Verbots durch die Nationalsozialisten, heute von vielen Neonazis verwendet. Ein besonderes Zeichen von Dummheit und Unkenntnis!

Charakteristika der Frakturschrift


Lesehilfe für die Frakturschrift
By John Ludwig Hülshof (Google Books) [Public domain], via Wikimedia Commons

Im Laufe der Geschichte haben sich einige Grundregeln bei der Verwendung von gebrochenen Schriften durchgesetzt, die sich vorwiegend im deutschen Sprachraum finden. Hierzu gehören die Verwendung von Ligaturen (auch auf Schreibmaschinen und in der Computerschrift) und zwei unterschiedliche Formen des Buchstaben s.

Versionen der Frakturschrift

Wie die meisten langlebigen Schriften hat auch die Frakturschrift im Laufe der Zeit ihr Aussehen verändert und sie wurde immer wieder an die Vorlieben der jeweiligen Zeit angepasst. Wie schon erwähnt stammt die heute am ehesten bekannte Version aus dem 18. Jahrhundert und wird als Klassizistische Fraktur, auch Unger-Fraktur, bezeichnet. Darüberhinaus gab es noch die Renaissance-Fraktur, die für den Theuerdank-Druck verwendet wurde und die Barock Fraktur, auch Breitkopf-Fraktur.

Literatur

  • Judith Schalansky: Fraktur mon Amour. Verlag Hermann Schmidt, Mainz 2006, ISBN 3-87439-696-7.
  • Christina Killius: Die Antiqua-Fraktur Debatte um 1800. Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 1999, ISBN 3-447-03614-1.
  • Albert Kapr: Fraktur: Form und Geschichte der gebrochenen Schriften. Verlag Hermann Schmidt, Mainz 1993, ISBN 3-87439-260-0.
  • Heinrich Fichtenau: Die Lehrbücher Maximilians I. und die Anfänge der Frakturschrift. Hamburg 1961.