Die deutsche Kurrentschrift (oder auch Laufschrift nach dem lateinischen Wort „currere“) war in Deutschland bis ca. 1950 die normale und am weitesten verbreitetste Verkehrsschrift (in Österreich und der Schweiz auch als Protokoll- und Amtsschrift). Auch sie wurde, wie die Sütterlinschrift, durch den Bormann-Erlass 1941 verboten und durch die „deutsche Normalschrift“ ersetzt. Ihren Ursprung hat die Kurrentschrift in der Neuzeit als Abwandlung der gotischen Kursive aus dem 15. Jahrhundert.

Die deutsche Kurrentschrift ist eine sehr flüssige und elegante Schrift. Dies ist mit Sicherheit auch ein Grund warum sie als Verkehrsschrift über Jahrhunderte erfolgreich war. Allerdings war die deutsche Kurrentschrift deshalb auch sehr schwer zu schreiben. Dies führte zur Ablösung als Schulschrift durch die deutsche Sütterlinschrift.

Typografie


Schrifttabelle deutsche KurrentschriftDie deutsche Kurrentschrift gehört zu den gebrochenen Schrift. Sie ist im Gegensatz zur lateinischen Schrift eher spitz und weniger rund. Zudem vermeidet sie die sogenannten Deckstriche, schreibt also nicht auf derselben Linie sondern eher in parallelen Strichen nebeneinander (dies ist besonders gut beim r ersichtlich. Ein weiteres Merkmal ist die Ähnlichkeit zwischen den Groß- und Kleinbuchstaben und der Schwellzug, also die unterschiedliche Dicke der Linien. Die Lineatur war im Verhältnis 2:1:2.

Die S-Formen

Eine Besonderheit stellen die die unterschiedlichen s-Laute dar. Je nach Position des Buchstabens im Wort gab es verschiedene Versionen. Das sogenannte Auslaut-S (oder Schluss-S) steht am Ende eines Wortes oder einer Silbe und erinnert von dern Form an eine 6. Im Gegensatz dazu stand das lange-S welches dem heutigen kleinen f entfernt ähnelt. Dies stand am Anfang oder innerhalb einer Silbe. Schlussendlich gab es noch das „scharfe S“ oder auch sz, eine Ligatur aus eben diesen beiden Buchstaben. Eine Besondere Form hatte zudem das große S welches dem heutigen O sehr ähnlich sieht.

Aufgrund der sehr unterschiedlichen Typografie, lässt sich die Kurrentschrift nicht ohne Übung lesen, zumal durch die enge Schreibweise und die großen Ober- und Unterlängen, das Schriftbild recht unübersichtlich sein kann.

Literatur

  • Hellmut Gutzwiller: Die Entwicklung der Schrift in der Neuzeit. In: AfD, Archiv für Diplomatik, Schriftgeschichte, Siegel- und Wappenkunde 38 (1992), S. 381–488.
  • Tamara N. Tacenko: Zur Geschichte der deutschen Kursive im 16. Jahrhundert. Bemerkungen zur Entwicklung dieser Schrift anhand von Dokumenten einer Sammlung aus St. Petersburg. In: AfD 38, Köln u. a. 1992, S. 357–380.
  • Friedrich Beck: Die „deutsche Schrift“ – Medium in fünf Jahrhunderten deutscher Geschichte. In: AfD 37 (1991), S. 453–479.
  • Heribert Sturm: Einführung in die Schriftkunde. München-Pasing 1955.
  • Leo Santifaller: Bozener Schreibschriften der Neuzeit. Gustav Fischer, Jena 1930.