Portraitaufnahme von Karl Ludwig Sütterlin (1865-1917), SchriftgestalterLudwig Sütterlin (* 15. Juli 1865 in Lahr; † 20. November 1917 in Berlin) – der Entwickler der Sütterlinschrift – war eine kreative und vielfältig begabte Person. Im Laufe seines Lebens arbeitete er als Schriftgestalter, Pädagoge, Grafiker und Buchgestalter.

Leider ist über seine Kindheit und Jugend wenig bekannt. Sicher ist nur, dass er 1890 nach Berlin übersiedelte und dort seine Karriere begann. Ein erstes Zeugnis als Grafiker, eine Zeichnung zum Jubiläum der Berliner Elektrizitätswerke AG, lässt sich auf 1894 datieren. Einen ersten Erfolg konnte er 1896 mit dem ersten Preis im Plakatwettbewerb der Berliner Gewerbeausstellung. Als Schüler Max Friedrich Kochs und Emil Döplers entwarf er Plakate und andere künstlerische Gegenstände.

Arbeit für das preußische Kultusministerium

Sütterlin gab an der „Unterrichtsanstalt des Königlichen Kunstgewerbemuseums zu Berlin“ Lehrgänge in künstlerischer Schrift für Volksschullehrer und gab zudem Unterricht für Buchdrucker in Berlin. Im Auftrag des preußischen Kultusministeriums entwickelte Sütterlin 1911 eine lateinische und eine deutsche Schrift. Offenbar hat er sehr gute Arbeit geleistet, denn sie wurde ab 1915 in Preußen probeweise und ab 1918 per Erlaß als Schulschrift verwendet. Auch in anderen Ländern erhielt die Sütterlinschrift einzug in die Schulen, z.B. in: Hessen, Thüringen Baden und Danzig).

„Unsere neuen Buchstaben wollen weiter nichts sein als schlichte Vorbilder für den Anfangsunterricht, die an die kindliche Auffassungs- und Darstellungsfähigkeit nur geringe Anforderungen stellen. Sie wollen die Grundlage sein, auf der im Verlaufe der Unterrichtsjahre die weitere Entwicklung zu flüssigen, schönen und deutlichen Handschriften sich vollziehen kann.“ (Ludwig Sütterlin über das Konzept hinter seiner Schrift)

Sütterlins schriftgeschichtliches Erbe

Das sogenannte Hammer-Plakat, 1896
Auch wenn Ludwig Sütterlin nach 1941 bzw. nach dem zweiten Weltkrieg in Vergessenheit geraten ist, hatte er doch einen enormen Einfluss auf unseren Alltag, den die (heute gängige) deutsche Normalschrift, basiert auf seiner lateinischen Schrift. Es ist erstaunlich und traurig, wie ein Mensch, der so einen großen Einfluss auf unsere heutige Zeit hatte und dessen Schrift von tausenden von Menschen in ganz Deutschland geschrieben wurde, so sehr in Vergessenheit geraten konnte.

Die Sütterlin-Fibeln für Erstklässler sowie methodische Bücher für Lehrer liegen heute in der „Bibliothek für bildungsgeschichtliche Forschung“ in Berlin. Es existieren einige wissenschaftliche Publikationen über Ludwig Sütterlin und seine Schrift. Zumindest in der Wissenschaft wurde er also nicht ganz vergessen. Seine Bücher zur Themen wie Bucheinband, Schriftform, Päagogik und Literatur finden Sie heute fast ausschließlich antiquarisch.

Werke (als Autor oder Buchgestalter):

  • Marksteine aus der Weltliteratur in Originalschriften. Leipzig: im Verlage der Offizin W. Drugulin, 1902.
  • Großstadtlyrik. Leipzig: R. Voigtländer, [1903].
  • Die Bibel oder die ganze Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments. Berlin: Preuß. Haupt-Bibelgesellschaft, [1908].
  • Der exakte Bucheinband. Kersten, Paul. – Halle a.d. Salle: Knapp, 1909.
  • Der Entwurf des Bucheinbandes. Sütterlin, Ludwig. – Halle: [s.n.], 1909.
  • Werden und Wesen der Sprache. Sütterlin, Ludwig. – Leipzig: Quelle & Meyer, 1913.
  • Grundriss der Deutschen Sprachlehre für die unteren Klassen höherer Schulen. Sütterlin, Ludwig. – Leipzig: Voigtländer, 1916, 6. unveränd. Aufl.
  • Ein französischer Hetzprofessor und seine angeblichen Erfahrungen in Heidelberg. Sütterlin, Ludwig. – Heidelberg, [1916].
  • Die neuere Sprachwissenschaft und der deutsche Unterricht. Sütterlin, Ludwig. – Berlin: Mittler, 1916.
  • Die Lehre von der Lautbildung. Sütterlin, Ludwig. – Leipzig : Quelle & Meyer, 1916, 2. verb. Aufl.
  • Neuer Leitfaden für den Schreibunterricht. Sütterlin, Ludwig. – Berlin: Albrecht-Dürer-Haus, 1917.
  • Die deutsche Sprache der Gegenwart (Ihre Laute, Wörter, Wortformen u. Sätze). Sütterlin, Ludwig. – Leipzig: Voigtländer, 1918, 4. verb. Aufl.
  • Deutsche Sprachlehre für höhere Lehranstalten. Sütterlin, Ludwig. – Leipzig: Voigtländer, 1918, 6., unveränd. Aufl.