Die deutsche Sütterlinschrift wurde mit der Absicht von Ludwig Suetterlin entwickelt, Grund- und Volksschülern das Schreiben lernen zu erleichtern. Denn mit der Einführung der Kugelspitzfeder war die bis dahin übliche deutsche Kurrentschrift (die Linke Schrift im unteren Bild) nur noch sehr schwer zu schreiben. Die Schrägstellung, die verschiedenen Linienbreiten sowie die großen Unter- und Oberlängen konnten vorher mit dem sehr flexiblen Federkiel noch halbwegs einfach geschrieben werden. Mit der Stahlfeder, die nicht so „geschmeidig“ war, ließen sich z.B. die verschiedenen Linienbreiten nur über eine Varriierung des Drucks bewerkstelligen. Für kleine Kinderhände ein denkbar schwieriges Unterfangen.

Die Unterschiede zur deutschen Kurrentschrift


In der folgenden Darstellung sind die Unterschiede zur bis dahin üblichen deutschen Kurrentschrift klar zu erkennen. Beispielsweise ist die Sütterlinschrift aufrechter, die Buchstaben sind also nicht so schräg. Auch die extrem langen Ober- und Unterlängen sind verschwunden, die Lineatur ist im Verhältnis 1:1:1, d.h. dass der Buchstabenkörper jeweils genauso hoch ist wie die Ober- bzw. Unterlänge.

Zudem haben die Linien eine gleichmäßige Breite. Die Sütterlinschrift wirkt insgesamt runder und breiter und leider auch etwas unelegant, vor allem im Vergleich zur sehr schnörkeligen im Schwellzug geschriebenen deutschen Kurrentschrift. Insgesamt kann man die Sütterlinschrift eher mit den, auch heute noch gängigen, Antiqua-SChriften vergleichen.

deutsche Kurrentschrift vs Sütterlinschrift
Die Buchstaben des Suetterlin-Alphabet

Die Sütterlinschrift im Vergleich zur heutigen Schulausgangschrift

die vereinfachte Ausgangschrift
Von Smial in der Wikipedia auf Deutsch – Übertragen aus de.wikipedia nach Commons., Gemeinfrei, Link
die Schulausgangschrift
Von Benutzer Tost, Renate (Diskussion) – selbst erstellt; Datei:Schulausgangsschrift 1968.jpg, Bild-frei, Link

Die heutige Schulausgangsschrift basiert auf der lateinischen Ausgangsschrift die seit 1953 in den meisten Bundesländern – Nordrhein-Westfalen arbeitet beispielsweise mit der Druckschrift die ehesten mit der vereinfachten Ausgangsschrift zu vergleichen ist – als Erstschrift etabliert ist.
Wie man in den Abbildungen rechts ganz gut sieht haben sich einige Buchstaben fast vollständig verändert, andere sind aber fast gleich geblieben. Besonders groß sind die Veränderungen bei den Großbuchstaben: das S oder auch das B sind kaum wieder zuerkennen. Dagegen sind das M oder C der Sütterlinschrift sehr ähnlich. Insgesamt kann man sagen, dass die heutige Ausgangsschrift wesentlich schnörkelloser ist als die deutsche Sütterlinschrift. Sie ist nicht ganz so rund, allerdings von der Buchstabenbreite, den Ober- & Unterlagen sowie der Lineatur doch sehr ähnlich.

Trotz allem und selbst mit einer vergleichenden Vorlage ist es nicht einfach die Sütterlinschrift in die deutsche Ausgangsschrift zu übertragen. Das gesamte Schriftbild ist uns heute sehr fremd und man braucht einige Zeit um „hereinzukommen“. Die persönlichen Handschrift (oder bei manchen die sogenannte Sauklaue) verkompliziert die ganze Sache zusätzlich noch enorm. Vergleichen Sie einmal Ihre jetzige Handschrift mit der vereinfachten Ausgangsschrift. Ich wette die Unterschiede sind recht deutlich: genauso verhielt es sich natürlich auch zu Beginn des 20. Jahrhunderts.